3 Sekunden im Schnitt braucht ein Besucher einer Internetseite um zu entscheiden, ob er sich weiter mit der Internetseite und damit auch mit dem Unternehmen und dessen Produkte und Dienstleistungen beschäftigen will. 3 Sekunden, die entscheiden, ob ich als Unternehmer einen neuen Kunden gewonnen habe oder im Regelfall für immer verloren habe.
Nach dem am 13.11.1990 die erste Internetseite das Licht der virtuellen Welt erblickt hatte, gehören Internetpräsenzen heute genauso zu einem Unternehmen wie die Visitenkarte oder das Geschäftspapier.

Verwunderlich ist nur, mit welcher Ignoranz viele Unternehmen dieses Thema behandeln. Während Unmengen an Geld für die Gestaltung des Geschäftspapiers und der Visitenkarte ausgegeben wird, lassen sich die meisten Unternehmen Ihre Internetseiten von dem 8 jährigen Nachbarsjungen erstellen.
Dabei ist es eine reine Milchmädchenrechnung, bei der man nachvollziehen kann, dass die Internetseite wesentlich häufiger von potentiellen Kunden und Konkurrenten gesehen wird, als die Visitenkarten.
Das man damit als Unternehmer Inhalte und Aussagen transportiert, die man eigentlich nicht veröffentlichen will, sollen die folgenden Beispiele zeigen.
Top 10 der schlechtesten Internetseiten:
Platz 1: Getränke Oase - Der bunte Schnaps scheint auch bei den Geschäftsführern Spuren hinterlassen zu haben
Ein alteingesessenes und damit eigentlich sehr erfahrenes Unternehmen ist die Mutterfirma der Getränke Oase, das Familienunternehmen Schürmann. Trotz dieser weit über 100 Jahre alten Erfahrung der Firma hat man bei dem Besuch der Internetseiten der Getränke Oase in Hamm das Gefühl, dass einem die Netzhäute von den Pupillen gebrannt werden. Das Farbspiel ist schlichtweg Körperverletzung. Von einem Traditionsunternehmen kann man mehr verlangen und besser als mit dieser Internetseite kann man nicht zeigen, dass man keinen Wert auf ein ordentliches äußeres Erscheinungsbild legt.
Platz 2: Kellys Tattoo Studio - Körperkünstler ohne künstlerische Fertigkeiten
Gerade von einem Künstler erwartet der Kunde, dass man zu jeder Zeit die künstlerischen Fertigkeiten zu Gesicht bekommt. Wenn jedoch, wie in diesem Fall schon, der Internetauftritt derartig geschmack- und stillos gestaltet wurde und dazu noch ein direkter Bezug zum Teufel schon bei der Domainwahl ersichtlich ist, kann ich als Geschäftsfrau nicht erwarten, dass mir die Kunden mein Produkt aus den Händen reißen. Dazu kommen seit Jahrzehnten veraltete Techniken in Form von Laufschriften. Auch das die Seite mit Hilfe eines Webbaukastens erstellt wurde und damit in Gänze nicht suchmaschinenoptimiert ist zeigt, dass es sich eben um reine Tätowierer handelt und nicht um echte Geschäftsleute. Kann man nur wünschen, dass der Laden besser läuft, als es nach Außen den Anschein macht.
Platz 3: Zeitschriftengrossvertrieb Wehling – Zeitschriften am Puls der Zeit und ein Unternehmen, welches den Zug verpasst hat

Wenn ich als Unternehmen Zeitschriften vertreibe, welche die aktuellsten Tipps und Tricks, Trends und Informationen aus den verschiedensten Sparten des Lebens präsentieren, muss man sich die Frage gefallen lassen, wieso man selbst über 7 Jahre lang nichts an seiner eigenen Präsentation ändert und dieses auch noch offenkundig so schreibt. Java, Javascript und eine Auflösung von 800 mal 600 Pixeln werden erbeten, um die Inhalte korrekt angezeigt zu bekommen. Das sind Aufforderungen die man schon seit 15 Jahren nicht mehr an seine Besucher stellt, zumal der Großteil in der Form gar nicht mehr aktuell ist. Von einem Pressevertrieb erwartet man, dass auch die zur Presse gehörende Internetseite einen Hauch Modernität bietet. Oder sind die gelieferten Bücher und Zeitschriften auch noch aus dem Jahre 1927?
Platz 4: Alte Apotheke – Alte Apotheke bedeutet gleichzeitig alte Internetseite

Sich mittels einer Baustellenseite als Unternehmen in Internet zu präsentieren, ist ein gefährliches Unterfangen. Wenn diese Baustellenseite jedoch ganz offensichtlich schon seit 3 Jahren existiert und man als „Alte Apotheke“ seit 3 Jahren damit wirbt, dass „demnächst“ an der gleichen Stelle die aktuelle Homepage zu finden sei, ist es fraglich, wie schnell meine Medikamente geliefert werden, wenn ich sie heute dort bestelle. Von einem eingetragenen Kaufmann erwartet man einfach mehr. Insgesamt schafft es der Name (Alte Apotheke), ein völlig aus der Luft gegriffener Werbeslogan (nicht schlecht Herr Specht) und die 3 Jahre alte Baustellenseite in mir ein Bild von einer Apotheke zu erzeugen, die ich nicht betreten würde und sicherlich nur von „Altkunden“ aufgesucht wird. Besser kann man den aufkommenden Apothekenketten nicht in die Hände spielen.
Platz 5: Altenheim St. Josef Herringen – Alte Menschen gleich alte Techniken?

Eher ungewollt scheinen die Assoziationen zu sein, die die Betreiber des Altenheims bei den Besuchern ihrer Internetseite verursachen. Der letzte Qualitätsbericht stammt von 2009, Videos werden noch in ISDN Qualität übertragen, Auflösungen stammen noch aus einer Zeit, in der Röhrenmonitore das Bild auf den heimischen Schreibtischen beherrschten. Es ist eben alles alt. Nicht nur die Bewohner des Altenheims.
Platz 6: Annemarie Kohl Kunstgewerbe – Kunstgewerbe ohne Sinn für Stil und Ordnung

Kunst kann schmutzig und bisweilen auch unordentlich sein. Über Geschmack lässt sich bekanntlich nicht streiten. Dieser Shop des dazugehörigen Ladenlokals aus Hamm präsentiert seine Produkte im Internet lieblos in einem angemieteten Baukasten. Auch die Repräsentation der Firma an sich, die hinter diesem Shop steht, geschieht in höchstem Maße unprofessionell. Verzerrte Bilder eines kaum erkennbaren Ladenlokals, unterdimensionierte Produktbilder, Rechtschreibfehler und ein kaum auffindbares Impressum. Wenn Kunden in dem dazugehörigen Ladenlokal von der gleichen unprofessionellen Inszenierung der angebotenen Produkte begrüßt werden, darf man sich nicht wundern, wenn die Kunden weg bleiben.
Platz 7: Bäckereikette Hosselmann – Großunternehmen mit einem deutlichen Hang zu Fertigprodukten

Man nehme eine schon tausend Mal verwendete PowerPoint Vorlage. Dazu wirft man sein Firmenlogo ein oder zwei Mal auf diese Grundlage. Eine Prise Text hinzu, der darauf hinweist, dass man doch irgendwann noch eine andere Homepage haben wird und fertig ist die Internetseite eines Unternehmens, welches tägliche frische Lebensmittel herstellt und in eigenen Filialen verkauft. Die Fragen die zwangsläufig aufkommen: Werden die Zutaten bei der Herstellung der Bäckereiprodukte ebenso lieblos ausgewählt und zusammengeworfen? Werden hier etwa Fertigprodukte am Fließband hergestellt?
Platz 8: Architekt Lütkhoff – Architekt ohne Gespür für gutes Design

Mein Haus ist dein Haus. Bloß ein solches Haus will niemand. Wenn man sich als Architekt auf der eigene Internetseite mit den Themen Gestaltung, Planung und Entwurf auseinandersetzt sollte man schon an dieser Stelle den Beweis antreten, dass man diese Themen beherrscht. Techniken aus dem letzten Jahrhundert, Farben und Schriften, die von Geschmack und Stil sehr weit entfernt sind dazu Referenzen von 1988 als eingescannte Fotos. Von Glück für derartige Unternehmer, dass es noch öffentliche Ausschreibungen und Mundpropaganda gibt.
Platz 9: Automaten Lehmann – Spielautomatenaufsteller – wohl zu viel an den eigenen Spielautomaten gespielt!

Pleite. Das ist der erste Begriff der einem einfällt, wenn sich ein Spielautomatenaufsteller im Internet mit Hilfe einer kostenlosen Domain präsentiert und die völlig ohne Verstand gestaltete Seite dann auch noch mit Fremdwerbung füllt. Da helfen auch Aussagen wie „30 Jahre Erfahrung“, „zuverlässig“ oder „Service und etablierte Entwicklung“ nicht mehr. Die abschließende Aussage der Seitenbetreiber im Willkommenstext, dass man hoffe bei der Suche nach einem guten Automatenaufsteller helfen zu können, kann man als Seitenbesucher nur wie folgt beantworten: „Ja, allerdings hier nicht!“
Platz 10: Blumengroßhandel Bintig – Großhandel auf Vereinsniveau

Ein blühendes Erlebnis verspricht das Unternehmen auf seiner einseitigen Internetseite. Von blühenden Farben oder sei es auch nur einer blumigen Sprache jedoch keine Spur. Sachlich korrekt und ordentlich angeordnet präsentiert man neben einer Luftaufnahme der Firmengebäude noch die Adresse und die Öffnungszeiten. Das war es aber auch schon. Mit dem Wissen, dass sich dieses Unternehmen in direkter Nachbarschaft zu einem ebenso großen Gartencenter befindet macht es doch eher den Eindruck, als haben die Betreiber vor dem Konkurrenzkampf resigniert. Da hilft es auch nicht, dass man die Freundschaft zu einem Angelsportgeschäft aus einer über 150 km entfernten Stadt propagiert.
Fazit
Unterhält man sich mit Unternehmern und fragt sie nach dem Grund für ihre schlechte Internetpräsentation, hört man häufig Aussagen wie: „Wir haben genug Kunden“ oder „Die Erstellung einer Internetseite sei zu kostenintensiv“.
Zwei Aussagen, die man als wirtschaftlich denkender Menschen nicht nachvollziehen kann. Die Grundlage der Betriebswirtschaft lehrt uns schon, dass man nie genug Kunden haben kann. Unternehmer mit einer derartigen Einstellung spielen ihren Konkurrenten im Zeitalter des Internets und von Facebook, Twitter und Co. direkt in die Hände. Gerade das Beispiel der Apotheker zeigt dieses sehr deutlich. Während einige wenige Apotheker das Internet für sich gewonnen haben und mit Versandapotheken aufwarten, jammern alteingesessener Apotheker still und heimlich dem Verlust ihrer Kundschaft hinterher.
Auch das Argument der Kosten ist nicht nachvollziehbar. Während hunderte von Euros für Zeitungsanzeigen, Flyer und Co. ausgegeben werden, belaufen sich die Erstellungskosten einer professionellen Internetseite im Durchschnitt auf einige wenige hundert Euro und ca. 3000 Euro. Nach oben ist natürlich kein Limit gesetzt. Natürlich soll dabei nicht auf die althergebrachte Werbung verzichtet werden. Gerade Zeitungsanzeigen und Flyer lassen sich hervorragend mit einer guten Internetseite verknüpfen. Gute Internetseiten bieten bei einmaligen Erstellungskosten und vergleichsweise geringen monatlichen Kosten gegenüber den herkömmlichen Werbemaßnahmen eine unendliche Fläche für die eigene Präsentation und die Präsentation der angebotenen Produkte oder Dienstleistungen.
Also: Wer jetzt nicht handelt, handelt für die Konkurrenz!
PS: Ein Angebot bei einem entsprechenden Fachmann einzuholen ist im Übrigen kostenlos.














